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Zurück zur Übersicht Schematische Darstellung von KI-Agenten als eigene Identitäten neben Benutzern und Anwendungen in einem Verzeichnis
Entra Agent ID KI Identität

Was Microsoft Entra Agent ID ist und wie es sich in bestehende Dienste einfügt

7 Min. Lesezeit

Das Wichtigste in Kürze

  • KI-Agenten greifen mit eigenen oder delegierten Berechtigungen auf Daten und Systeme zu. Sie brauchen wie Benutzer und Anwendungen eine Identität, eine verantwortliche Person und einen geregelten Lebenszyklus.
  • Microsoft Entra Agent ID führt dafür eigene Objekttypen in Microsoft Entra ID ein: Agent-Identitäten, Blueprints als Vorlagen und optional Benutzerkonten für Agenten.
  • Conditional Access, ID Governance, Privileged Identity Management und die Protokolle lassen sich auf Agenten anwenden. Die meisten Schutzfunktionen setzen eine Lizenz für Microsoft Agent 365 voraus.
  • Für Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden ist jetzt die Bestandsaufnahme der wichtigste Schritt: Welche Agenten und App-Registrierungen gibt es, wer ist verantwortlich, welche Rechte haben sie?

KI-Agenten sind Anwendungen, die ein Ziel verfolgen, selbstständig entscheiden und dafür Werkzeuge nutzen: E-Mails lesen, Dateien anlegen, Tickets bearbeiten. Sie entstehen in Microsoft Copilot Studio, in Microsoft Foundry oder auf Plattformen anderer Anbieter, oft in Fachbereichen statt in der IT. Damit stellt sich eine Frage, die bei Benutzern längst beantwortet ist: Wer ist dieser Agent, was darf er, und wer steht dafür gerade?

Dieser Beitrag erklärt, was Microsoft Entra Agent ID leistet, wie es sich in vorhandene Dienste einfügt und was noch offen ist. Alle Angaben geben den Stand Oktober 2026 wieder.

Warum brauchen KI-Agenten eigene Identitäten?

Ein Agent mit weitreichenden Rechten, der keinem Verantwortlichen zugeordnet ist, ist für die Geschäftsführung ein Konto, das niemand überwacht. Handelt er falsch oder wird er übernommen, lässt sich kaum belegen, wer ihn eingerichtet hat und warum er diese Rechte hatte.

Technisch liefen Agenten bisher meist über App-Registrierungen und Service Principals, die Anwendungsidentitäten in Microsoft Entra ID, gedacht für langlebige, von der IT betriebene Dienste. Agenten entstehen dagegen dynamisch, in großer Zahl und teils nur kurz. Agent ID soll unter anderem Agentenaktionen von menschlichen unterscheidbar machen und Agenten von den kritischsten Rollen fernhalten.

Was ist Microsoft Entra Agent ID?

Microsoft Entra Agent ID ist das Identitäts- und Sicherheitsframework von Microsoft Entra für KI-Agenten. Die Plattform ist seit April 2026 allgemein verfügbar und steht allen Microsoft-Entra-Kunden zur Verfügung. Sie führt eigene Objekttypen ein:

  • Agent-Identität: das Konto, mit dem ein Agent Zugriffstoken erhält. Damit handelt er selbstständig oder im Auftrag eines angemeldeten Benutzers mit dessen delegierten Rechten.
  • Agent Identity Blueprint: eine Vorlage für Agent-Identitäten derselben Art. Richtlinien am Blueprint gelten für alle daraus erzeugten Agenten, auch für künftige.
  • Benutzerkonto des Agenten: optional, wenn ein Agent wie ein Mitarbeitender mit Postfach und Teams-Zugang arbeiten muss. Es ist fest an genau eine Agent-Identität gebunden.

Agenten aus Microsoft Foundry erhalten automatisch Agent-Identitäten; für Copilot Studio lässt sich die automatische Erstellung aktivieren (Vorschau, Stand Oktober 2026). Agenten anderer Plattformen lassen sich über ein SDK oder Workload Identity Federation einbinden, also ohne gespeicherte Geheimnisse.

Wo sehen Sie, welche Agenten es in Ihrem Tenant gibt?

Agent-Identitäten erscheinen im Microsoft Entra Admin Center in einer eigenen Ansicht. Das übergreifende Verzeichnis aller Agenten, die Agent Registry, hat Microsoft in Microsoft Agent 365 im Microsoft 365 Admin Center zusammengeführt; die Registry-Ansichten im Entra Admin Center wurden zum 1. Mai 2026 zurückgezogen. Agent 365 ist seit Mai 2026 allgemein verfügbar und als zentrale Stelle gedacht, um Agenten zu beobachten, zu steuern und abzusichern.

Wichtig für die Bestandsaufnahme: Ein Agent, der über eine klassische App-Registrierung oder einen API-Schlüssel arbeitet, wird dadurch nicht automatisch zu einer Agent-Identität.

Wer ist für einen Agenten verantwortlich?

Agent ID unterscheidet Besitzer, die Konfiguration und Betrieb verwalten, und Sponsoren, die fachlich über Zweck, Lebenszyklus und Zugriffe entscheiden. Bei Agenten aus Copilot Studio wird die erstellende Person als Sponsor eingetragen. Verlässt ein Sponsor das Unternehmen, geht die Sponsorschaft automatisch auf dessen Führungskraft über; Lifecycle Workflows in Microsoft Entra ID Governance benachrichtigen die Beteiligten. So bleibt immer eine Person zuständig, und genau danach fragen Prüfer.

Wie fügt sich Agent ID in Conditional Access, Governance und PIM ein?

Conditional Access. Conditional Access für Agenten unterscheidet drei Zugriffsmuster mit jeweils eigener Richtlinie:

  • Handelt der Agent im Auftrag eines Benutzers, gelten die Richtlinien für diesen Benutzer.
  • Handelt er selbstständig, zielt die Richtlinie auf die Agent-Identität oder den Blueprint.
  • Arbeitet er mit eigenem Benutzerkonto, zielt die Richtlinie auf „Agent Users“; Richtlinien für „alle Benutzer“ greifen hier ausdrücklich nicht.

Benutzerdefinierte Sicherheitsattribute gruppieren Agenten, etwa nach Abteilung oder Umgebung. Neue Richtlinien starten wie gewohnt im Report-only-Modus. Eine Grenze: Greift ein Agent per API-Schlüssel statt mit einem Entra-Token zu, wirkt Conditional Access nicht.

ID Governance. Agent-Identitäten lassen sich über Access Packages mit Ablaufdatum und Genehmigung berechtigen, etwa für Gruppen, API-Berechtigungen oder Entra-Rollen. Vor Ablauf wird der Sponsor benachrichtigt. Access Reviews können Agent-Identitäten einschließen. Teile davon sind noch als Vorschau gekennzeichnet (Stand Oktober 2026).

Rollen und PIM. Agent-Identitäten können in Privileged Identity Management ausgewählt werden. Hoch privilegierte Rollen wie Global Administrator sind für Agenten gesperrt.

Erkennung und Protokolle. Anmelde- und Überwachungsprotokolle ordnen Aktionen der jeweiligen Agent-Identität zu. Microsoft Entra ID Protection erkennt auffälliges Agentenverhalten; diese Agentenrisiken sind als Vorschau (Stand Oktober 2026) gekennzeichnet. Für Agenten aus Copilot Studio bietet Global Secure Access zusätzliche Netzwerkkontrollen. Microsoft Purview und Microsoft Defender gehören ebenfalls zur Absicherung in Agent 365; wie weit das je Agententyp reicht, sollten Sie im Einzelfall prüfen.

Welche Lizenzen sind nötig?

Die Plattform steht allen Entra-Kunden zur Verfügung. Für Conditional Access und ID Governance für Agenten sind dagegen Microsoft 365 E7 oder eine Lizenz für Microsoft Agent 365 zusammen mit mindestens Microsoft Entra ID P1 oder Microsoft 365 E3 nötig. ID Protection für Agenten setzt während der Vorschau Microsoft Entra ID P2 voraus. Prüfen Sie den Stand vor einer Entscheidung, die Lizenzierung ändert sich hier laufend.

Was ist noch offen oder nicht eindeutig dokumentiert?

  • Uneinheitlicher Status. Die Plattform ist allgemein verfügbar, einzelne Funktionen und Dokumentationsseiten tragen weiter eine Vorschau-Kennzeichnung. Bauen Sie produktive Abhängigkeiten nur auf Funktionen ohne diese Kennzeichnung.
  • Registry-API. Microsoft will die bisherige Graph-API der Registry durch eine neue API aus Agent 365 ersetzen; darüber registrierte Agenten müssen dann neu registriert werden. Ein Termin steht bis zum Erscheinen dieses Beitrags nicht fest.
  • Agenten anderer Anbieter profitieren nur, wenn sie aktiv angebunden werden. Agenten von Anthropic Claude erscheinen derzeit etwa nicht in der Purview-Ansicht „AI observability“.

Was sollte ein Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden jetzt tun?

Die Geschäftsführung legt eine Regel fest: kein Agent ohne verantwortliche Person, ohne Freigabe und ohne begrenzte Rechte. Für die IT folgen daraus fünf Schritte:

  1. Bestandsaufnahme von Agent-Identitäten, Agenten in Copilot Studio und Foundry sowie App-Registrierungen und Unternehmensanwendungen mit weitreichenden Graph-Berechtigungen.
  2. Verantwortliche zuordnen. Jeder Agent und jede kritische App-Registrierung erhält Besitzer und Sponsor. Was niemand beansprucht, wird deaktiviert.
  3. Rechte begrenzen. Breite Berechtigungen wie Lesezugriff auf alle Websites durch eng gefasste, befristete Rechte ersetzen.
  4. Zustimmung regeln. Prüfen, ob Benutzer Anwendungen und Agenten selbst Berechtigungen erteilen dürfen, und einen Genehmigungsprozess einführen.
  5. Richtlinien vorbereiten. Conditional Access für Agenten im Report-only-Modus anlegen und Agenten in regelmäßige Access Reviews aufnehmen.

Der nächste Schritt

Agenten werden in vielen Unternehmen schneller gebaut als inventarisiert. Wie wir KI-Einführungen einschließlich Agenten Audit-ready machen, beschreiben wir auf der Seite AI Foundation. Die Grundlagen in Entra ID, SharePoint und Purview, auf denen auch Agenten aufsetzen, behandelt der Beitrag Wie die KI-Einführung mit Entra ID, Purview, SharePoint und OneDrive gelingt.

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Häufig gestellte Fragen

Ist Microsoft Entra Agent ID allgemein verfügbar?

Ja. Die Agent-ID-Plattform ist seit April 2026 allgemein verfügbar und für alle Entra-Kunden nutzbar. Einzelne Funktionen, etwa die Risikoerkennung für Agenten oder die automatische Erstellung von Agent-Identitäten für Copilot Studio, sind weiterhin als Vorschau gekennzeichnet (Stand Oktober 2026).

Worin unterscheidet sich eine Agent-Identität von einem Service Principal?

Service Principals sind für langlebige Anwendungen mit bekanntem Betreiber gedacht. Agent-Identitäten sind für Agenten ausgelegt, die dynamisch und in großer Zahl entstehen. Sie entstehen aus Blueprints, haben Sponsoren als fachlich Verantwortliche und lassen sich gezielt über Conditional Access und ID Governance steuern.

Was ist der erste sinnvolle Schritt für ein mittelständisches Unternehmen?

Eine Bestandsaufnahme aller Agenten und App-Registrierungen mit ihren Berechtigungen und Verantwortlichen. Sie zeigt, wo Rechte zu weit gefasst sind und wo niemand zuständig ist. Für die meisten Schutzfunktionen wie Conditional Access für Agenten ist zudem eine Agent-365-Lizenz nötig; das sollte in die Planung einfließen.